Angetestet: TP-Link AV500 Powerline Adapter

TP-Link AV500 Powerline Adapter

TP-Link AV500 Powerline Adapter

Durch die Umbaumaßnahmen und Bohr-Tätigkeiten meines Vormieters an meiner jetzigen Wohnung, ist mein Büro derzeit via Gigabit-Ethernet mit dem Router verbunden, welcher zudem auch garnicht weit von meinem Büro entfernt steht. In meiner zukünftigen Wohnung wird dies aber nicht mehr der Fall sein und daher brauchte ich eine Lösung, um möglichst nicht-invasiv eine zuverlässige Verbindung zum Internet herzustellen. WLAN kam wegen der Störanfälligkeit und den damit verbundenen Latenzschwankungen nicht als erste Wahl in Frage und somit fiel meine Entscheidung schnell auf die Powerline-Technologie (auch PowerLAN genannt), mit der man Netzwerk über die Haus-Elektroinstallation realisieren kann. Zum ersten Ausprobieren dieser für mich neuen Technik, habe ich mich für die preisgünstigen TP-Link AV500 Powerline Adapter entschieden, deren Testergebnisse ich in diesem Artikel kurz vorstellen möchte.

Mein persönlicher Usecase

Um vorab mal mein Einsatzzweck abzustecken, hier ein paar Fakten:

  • die Powerline-Verbindung dient ausschliesslich der Kopplung meines Gigabit-Ethernet-Switches im Büro mit dem Router, einer Fritzbox 3390
  • der Traffic innerhalb des Büros läuft kabelgebunden über den Switch, der Router ist dabei nicht involviert
  • aus meiner DSL-Leitung tröpfeln maximal 6 Mbit (ja, ich lebe und arbeite auf dem Land), alles was schneller als diese atemberaubenden 6 Mbit ist, sollte also ausreichend sein, um Internet verlustfrei ins Büro zu schaufeln
  • der Router steht zukünftig im Erdgeschoss, während sich mein Büro künftig auf der ersten Etage befindet

Vorab-Recherche

Ich gehöre zu den Menschen, die sich in der Regel keine Technik anschaffen ohne sich zumindest grundlegend darüber informiert zu haben (da Du gerade diesen Blogpost liest, scheinst Du auch dazu zu gehören ;-)). Somit wusste ich bereits, dass die Netto-Transferrate und die Zuverlässigkeit einer Powerline-Verbindung einerseits von den Adaptern selbst, viel mehr jedoch von der vorhanden Hauselektrik abhängt. Schlechte Verkabelung im Haus bedeutet einen schlechten Datendurchsatz, ebenso störende Verbraucher im Kabelweg – insbesondere wohl Mikrowellen. Ist der Strom im Haus auf mehrere Phasen aufgeteilt, funktioniert die Verbindung garnicht. In letzterem Fall kann die Installation eines Phasenkopplers durch einen Fachmann offenbar Abhilfe schaffen.

In Summe kann man also schlecht vorhersagen, ob und wie gut Powerline im eigenem Umfeld funktioniert und daher habe ich mich zum Ausprobieren ganz gezielt für die günstigen TP-Link AV500 Powerline Adapter entschieden.
Diese Adapter sind laut technischen Daten in der Lage, bis zu 500 Mbit pro Sekunde über das häusliche Stromnetz zu schicken. Wichtig zu wissen: Diese maximale Übertragungsrate teilen sich alle am Powerline-Netzwerk beteiligten Adapter. Zwei Adapter könnten theoretisch also beispielsweise gleichzeitig mit 250 Mbit je Sekunde senden oder empfangen. Unter Idealbedingungen. Dass das praktisch aber nicht sehr wahrscheinlich ist, ist offenbar auch dem Hersteller klar – so sind beide Adapter nur mit 100 Mbit-Netzwerk-Schnittstellen ausgestattet. Es bleiben also maximal mögliche 100 Mbit pro Sekunde unterm Strich übrig – theoretisch – immer noch mehr als genug um mein langsam vor sich hin plätzscherndes Randzielgruppen-DSL ohne weitere Entschleunigung durchs Haus zu befördern. (Randnotiz: Ich feue mich über meine 6 Mbit, denn in vielen Nachbarorten gibt es überhaupt kein Internet oberhalb des Niveaus von ISDN)

Ein Blick ins Paket

Inhalt des TP-Link AV500 Powerline Adapter Sets: Auch Kabel sind mit dabei

Inhalt des TP-Link AV500 Powerline Adapter Sets: Auch Kabel sind mit dabei

In der Verpackung befinden sich neben den beiden Adaptern, einer Kurzanleitung, Garantiebedingungen und einer kleinen CD auch zwei Netzwerkkabel. Letzteres hat mich positiv überrascht, da Kabel heute oftmals als Zubehör separat erworben werden müssen. Die Adapter selbst wirken gut verarbeitet – soweit also nichts zu meckern. Die Kurzanleitung beschreibt, wie man die Adapter vor der ersten Benutzung gegenseitig bekannt macht (die Verbindung wir mit 128 Bit AES verschlüsselt und dazu muss man die Adapter pairen). Das geht ganz einfach: Beide Adapter möglichst im gleichen Raum in Steckdosen einstecken und nacheinander die Pairing-Taste der Geräte betätigen.

Mein Messverfahren

Zum Ermitteln des Datendurchsatzes nutze ich Iperf, ein freies Kommandozeilentool welches für alle gängigen Betriebssysteme verfügbar ist. Auf Fritzboxen mit einem neueren Fritz!OS wird Iperf praktischerweise gleich mitgeliefert und muss lediglich über http://fritz.box/support.lua aktiviert werden.

Mit Iperf lassen sich prima die Transferraten in Netzwerken messen

Mit Iperf lassen sich prima die Transferraten in Netzwerken messen

Zum Messen der Latzenz (Paketumlaufzeit) nutze ich Ping, ebenfalls ein Kommandozeilentool welches aber auf allen gängigen Betriebssystemen bereits mitgeliefert wird.

Verbindungstest zum Router

Da sich bei mir derzeit die Anschlussdose in der zweiten Etage befindet, steht auch der Router, eine Fritzbox 3390, genau dort. Dementsprechend ist die maximale Entfernung die ich zum Messen im Reihenhaus nutzen konnte eine Etage – nach oben oder nach unten. In diesem ersten Test ermittelte ich den Datendurchsatz und die Latenz zum Router über Gigabit-Ethernet (über einen Gigabit-Switch), über WLAN (5 GHz, 802.11n-Standard) und über Powerline. Da die Messwerte immer etwas schwankten, habe ich in der folgenden Tabelle jeweils die ermittelten Minimum- und Maximumwerte notiert. Einige „Ausreißer“ in den Messwerten habe ich als Fehler interpretiert und nicht mit aufgenommen.

Ethernet WLAN (n) Powerline
Durchsatz min. 135 Mbit/s 44,7 Mbit/s 38,8 Mbit/s
Durchsatz max. 149 Mbit/s 55,8 Mbit/s 45,3 Mbit/s
Latenz min. 0,318 ms 2,918 ms 3,549 ms
Latenz max. 0,332 ms 6.177 ms 3,655 ms

Hier auch besonders interessant: Das Gigabit-Ethernet liefert bei weitem nicht das namengebende Gigabit. Das mag zum einem an dem zum Zeitpunkt der Messung ebenfalls über den Switch laufenden Verkehr aber auch an dem Consumer-Equipment in meinem Netzwerk liegen.

Um zu ermitteln, wie sich die verschiedenen Übertragungstechniken auf die Kommunikation zum Internet auswirkt, habe ich zudem mittels Ping die Latenz zu vektorkneter.de ermittelt:

Ethernet WLAN (n) Powerline
Latenz min. 43,991 ms 46,823 ms 46,958 ms
Latenz max. 44,164 ms 60,538 ms 50,700 ms

Dieser „Realitätscheck“ zeigt recht deutlich, dass die Unterschiede in der Latenz bei Verbindungen ins Internet nur einen prozentual geringen Anteil an der Gesamtlatenz haben.

Verbindungstest zwischen zwei Rechnern

Um möglichst viel Variationsspielraum bei der Positionierung der am Test beteiligten Gegenstellen zu haben, unternahm ich weitere Messungen unter Zuhilfenahme eines zweiten Notebooks. Dessen WLAN funkte leider nur auf 2,1 GHz im g-Modus (max. 54 Mbit/s) und hat natürlich nicht die gleiche Sendeleistung wie die Fritzbox aber so konnte ich auch Messungen über drei Etagen durchführen. Da ich allerdings nicht im Besitz eines so langen (unverbauten) Netzwerkkabels bin, beschränkte sich diese Testreihe auf WLAN und Powerline, das kabelgebundene Ethernet entfiel.

Geräte auf gleicher Etage

WLAN (g) Powerline
Durchsatz min. 17,6 Mbit/s 69,2 Mbit/s
Durchsatz max. 18,5 Mbit/s 67,7 Mbit/s
Latenz min. 0,865 ms 3,830 ms
Latenz max. 1,031 ms 3,655 ms

Eine Etage Differenz zwischen den Geräten

WLAN (g) Powerline
Durchsatz min. 8,39 Mbit/s 42,8 Mbit/s
Durchsatz max. 14,1 Mbit/s 44,7 Mbit/s
Latenz min. 1,016 ms 3,834 ms
Latenz max. 1,217 ms 4,972 ms

Zwei Etagen Differenz zwischen den Geräten

WLAN (g) Powerline
Durchsatz min. 210 Kbit/s 58,1 Mbit/s
Durchsatz max. 419 Kbit/s 59,1 Mbit/s
Latenz min. 2,822 ms 3,837 ms
Latenz max. timeout 4,013 ms

Erstaunlich ist in dieser letzte Messreihe, dass der Durchsatz der Powerline-Verbindung wider Erwarten gegenüber der 2. Etage zulegt. Trotz größerer Entfernung zur Gegenstelle verbessert sich die Transferrate während die Latenz nahezu gleich bleibt. Der Durchsatz der WLAN-Verbindung bricht bei dieser Entfernung jedoch massiv ein – so tröpfeln am Ende die Daten nur noch Kilobit-Weise aus der Leitung. Bei der Messung der Latenz im WLAN traten extreme Schwankungen auf – von einigen guten Werten um die 3 ms bis zu kompletten Timeout war hier alles dabei. Die WLAN-Verbindung ist bei dieser Entfernung also nicht mehr zuverlässig und kaum noch produktiv nutzbar.

Mein Fazit

Kabelgebundenes Ethernet ist erwartungsgemäß die zuverlässigste und schnellste Verbindung, dafür sprechen eine sehr geringe Latenz und ein hoher Datendurchsatz. WLAN mit 802.11n-Standard kann bei kürzeren Entfernungen einen höheren Durchsatz als Powerline erreichen, fällt aber durch größere Schwankungen in der Latenz auf. Powerline, zumindest mit den hier getesten Adpatern, hat in Sachen Datendurchsatz gegenüber dem alten 802.11g-Standard im WLAN klar die Nase vorn. Allerdings war die Latenz des 802.11g-WLAN in meinem Test geringer als Powerline und überraschender Weise auch geringer als des neueren 802.11n-WLAN. Bei der größten Entfernung über drei Etagen war das g-WLAN nicht mehr benutzbar, während die Powerline-Verbidung recht Stabil ohne große Latenzschwankungen weiter werkelte.
In meinen Tests erreichte die Powerline-Verbindung maximal 69,2 Mbit/s – weit entfernt von der Angabe auf der Verpackung aber immernoch sehr viel besser als meine Anbindung ans Internet. Von daher scheinen die TP-Link AV500 Powerline Adapter eine gute und zuverlässige Lösung für die Verbindung meines Büros mit dem Internet in meiner neuen Wohnung zu sein (die praktischerweise baugleich mit meiner jetzigen ist). Eine klare Empfehlung also meinerseits.

7 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo, in deiner Antwort was Details die mich zum genaueren überlegen gebracht haben. Der Aufwand mit einem Phasenkoppler ist zu groß und rechnet sich irgendwie nicht. Aber der Hinweis mit anderen Steckdosen im Haus, wo es möglich ist diese ohne großem Aufwand zu platzieren war Goldwert. Keine weiß wie die Leitungen gelegt wurden im Nachhinein, aber der Elektriker hat sich ja was dabei gedacht. Als habe ich mir ein langes Netzwerkkabel besorgt und Steckdosen, die in Frage kommen getestet. Siehe da das Ergebnis kann sich sehen lassen. Nur mit dem Ortswechsel des TP-Links vom Router habe ich jetzt auf allen TP-Links eine Geschwindigkeit zwischen 310 und 360 Mbit/s.
    Danke noch mal…

  2. Hallo, ich nutze TP-Link TL-PA (500 Mbps) seit Jahren und bin sehr zufrieden. Die Nutzung erfolgt über 2 Etagen. Nur eine Sache stört mich. In der Etage, wo der Anschluss und Router steht habe ich einen Empfang von ca. 400 Mbps. In der unteren Etage aber nur max 60 Mbps. Die Geräte sind alle direkt an der Steckdose angeschlossen. Hast du eine Idee bzw. einen Tipp wie ich die Leistung in der unteren Etage verbessern kann.
    Danke Thom

    • Hallo Thom,
      die Signalqualität ist sehr abhängig von der Leitungslänge, der Anzahl und Art der Verbraucher auf der Leitung und der Güte der elektrischen Installation. Vermutlich wirst Du da nicht viel ändern können – es sei denn Du kannst die Position des Adapters in der unteren Etage ändern. Dann könntest Du eine Steckdose wählen, die näher an der Zuleitung von oben ist und damit die Leitungslänge reduzieren. In der Regel steckt man die Adapter aber in der Nähe des Endgerätes ein, von daher ist ein Umzug des Adapters an eine andere Steckdose sicher kaum eine Lösung.
      Du könntest noch prüfen, ob die obere und die untere Etage auf der gleichen Phase liegen. Ich bin kein Elektriker und bewege mich auf dünnem Eis aber ich habe mal gelesen dass mitunter Stromkreise auf verschiedenen Etagen auf unterschiedlichen Phasen liegen. Bei älteren Powerline-Generationen musste man da extra einen Phasenkoppler einbauen lassen, damit man das Signal phasenübergreifend nutzen kann. Moderne Powerline-Geräte nutzen bewusst das Übersprechen von Signalen auf benachbarte Leitungen aus – dadurch braucht man keinen Phasenkoppler mehr aber die Signalstärke geht dadurch in den Keller. Falls bei Dir die untere Etage auf einer anderen Phase liegt, würde der Einbau eines Phasenkopplers u.U. Besserung bringen. Aber wie gesagt: Das ist gefährliches Halbwissen ;-)

  3. Moin,
    Das die Angabe auf der Verpackung und die tatsächliche Gechwindigkeiten oftmals gravierende Unterschiede aufweisen, ist schon sehr ärgerlich, aber in diesem Bereich immer wieder zu beobachten. Kannst du eventuell noch ein kurzes Feedback geben, wie sich der TP-Link AV500 Powerline Adapter über einen längeren Zeitraum schlägt?
    Viele Grüße, Thomas

    • Hallo Thomas,
      der TP-Link AV500 Adapter schlägt sich bisher sehr gut! Da ich über Powerline jedoch nur den „Uplink“ zu meinem (von Kommunikationsunternehmen nicht beachteten, schmalbandigen) Kleinstadt-DSL-Anschluss herstelle, wären eventuelle Geschwindigkeitseinbrüche für mich vermutlich sowieso nicht spürbar. Internet ist hier in der Region generell recht langsam und reizt die Leistungsfähigkeit der Adapter ohnehin nicht aus.

  4. Wow das nenne ich mal einen sehr ausführlichen und gelungenen Test! Vielen Dank für die Mühen, das war genau wonach ich gesucht hatte!
    Würdest du dich wieder für den TP-Link AV500 Powerline Adapter entschieden, oder vielleicht beim nächsten mal doch eine kostenintensivere Lösung bevorzugen?

    • Ja, ich bin sehr zufrieden und für meinen Anwendungsfall – die Anbindung zur FritzBox und damit an das Internet – sind die Adapter sehr gut geeignet. In meiner neuen Raumkonstellation kommen noch ca. 30 Mbit über PowerLine in Büro an – das ist ein vielfaches schneller als meine DSL-Anbindung und daher mehr als ausreichend. Um z.B. ein NAS in einem anderem Raum anzubinden, würde ich die PowerLine-Technik sicher nicht verwenden, da wäre die Verbindung der Flaschenhals. Ich würde mir die Adapter wieder kaufen, ganz klar. Ich habe das Set sogar kürzlich noch mit dem TP-Link TL-WPA4220 Kit erweitert, um WLAN ins Dachgeschoss zu bekommen (das Netzt wird damit via PowerLine nach oben befördert und dort durch den TL-WPA4220 als WLAN abgestrahlt). Da auch die höherpreisigen Adapter i.d.R. nach dem gleichen technischen Standard (Homeplug AV) arbeiten, bin ich mir gar nicht sicher, ob die sich deutlich von den günstigen TP-Link unterscheiden würden. Mag sein. Aber für mich sind die TP-Link sehr gut geeignet und ich empfehle sie daher auch gern.

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