Gedanken zu WebsiteBaker und LEPTON

Vor etwas mehr als vier Jahren war ich auf der Suche nach einem freien Content Management System für die Umsetzung meiner eigenen Website. Nachdem ich mir zunächst natürlich die namenhaften Vertreter des Genres wie „Joomla!‟, „Typo3‟ und „WordPress‟ (ist genau genommen gar kein „echtes‟ CMS) angeschaut hatte, bin ich letztlich doch bei zwei kleinen Systemen hängen geblieben, die eher ein Schattendasein führten und führen, nämlich „CMS made simple‟ und „WebsiteBaker‟.

WebsiteBaker und Lepton

WebsiteBaker und Lepton

Beide Systeme habe ich zu diesem Zeitpunkt als Einsteiger sofort verstanden – sie holten mich an der Stelle ab, an der ich die Welt der statischen HTML-Seiten verlassen wollte: Für mich bestanden Websites aus einzelnen Seiten und nicht aus Artikeln, Kategorien, Sektionen, Content-Typen etc., wie es die anderen Vertreter zwingend verlangten. Auch wenn ich heute durchaus einige Vorteile in dieser Herangehensweise sehe, hat es mich damals gestört, meine Inhalte in künstliche Schubladen packen zu müssen. „CMS made simple‟ und „WebsiteBaker‟ hingegen funktionierten auf Anhieb so, wie ich es mir vorgestellt hatte: Neue Seite anlegen, Text eingeben, speichern, fertig. Und genau dieses einfache und für mich schlüssige Verhalten war das, was ich mir gewünscht und erhofft hatte. Letztlich fiel damals meine Wahl auf WebsiteBaker, weil die Templates dort in simplen PHP verfasst waren. Mit PHP war ich vertraut und fühlte mich dort Zuhause. „CMS made simple‟ verwendete hingegen „Smarty‟ für die Templates und damals war ich nicht gewillt, mich mit einer weiteren Sprache zu beschäftigen. Und wie ich nach kurzen Tests herausfand, war das Erstellen von einfachen WebsiteBaker-Templates mit nur einer sehr niedrigen Lernschwelle verbunden, was mir das System weiter sympathisch machte. Letztlich hat damals also WebsiteBaker das Rennen um meine Gunst gewonnen.

Nun, nachdem ich WebsiteBaker über vier Jahre für eigene und fremde Webprojekte verwendete habe, bin ich prinzipiell immer noch sehr zufrieden damit. Klar – hier und da gab es immer mal Aufgabenstellungen, die mit CM-System X und Y etwas einfacher zu lösen gewesen wären aber die sprichwörtliche eierlegende Wollmilchsau gibt es ja sowieso nicht. Und wenn man sich so lange mit dem System sein Wahl beschäftigt hat, verstanden hat, wie das Getriebe dahinter funktioniert und „der Hase läuft‟, dann hält sich die Bereitschaft für einen spontanen Wechsel zu einem anderen System doch arg in Grenzen. Und letztlich schätzen natürlich auch meine Kunden die Einfachheit des Systems und freuen sich, wie schnell sie damit selbst eigene Inhalte eingeben und ändern können. 

Allerdings war in letzter Zeit die Entwicklung von WebsiteBaker schon merklich eingeschlafen. Es kamen keine neuen Releases mehr, Bugs mussten die Anwender teils händisch lösen, hier und da wurde aber immer wieder eine Runderneuerung des Systems angekündigt. WebsiteBaker 3 wollte alles anders und natürlich viel besser machen, kam aber – zumindest soweit ich mitbekommen habe – nie über das Anlegen einer Projektsite hinaus. Irgendwann wurde gar nicht mehr davon gesprochen und WebsiteBaker 2.9 sollte als neuer Stern am Himmel der WebsiteBaker-Community erstrahlen, hieß es. Aber auch nach dieser Ankündigung passierte lange Zeit genau gar nichts.

Irgendwann im Frühsommer dieses Jahres, kündigte dann Ralf Hertsch von der phpManufaktur aus Berlin an, dass mit Lepton in Kürze ein Fork von WebsiteBaker 2.8.1 veröffentlicht werden würde, der das sein könnte, was mit WebsiteBaker 3 und 2.9 versprochen wurde. In Lepton wurden große Teile des WebsiteBaker-Cores überarbeitet, bereinigt, gefixt oder ganz neu geschrieben. Zudem ist das kommerzielle Vertreiben von Produkten und Dienstleistungen rund um das System ausdrücklich erwünscht, was Lepton auch für Agenturen interessant machen dürfte. Auch wenn das faktisch ebenfalls mit WebsiteBaker möglich war, wurden entsprechende Angebote und Aussagen im WebsiteBaker-Forum häufig geblockt, so zumindest mein Eindruck.

Nachdem die Ankündigung von Lepton auch ihren Weg ins WebsiteBaker-Forum gefunden hatte, entbrannten dort jedoch sehr schmutzige und überaus traurige Wortgefechte zwischen den Machern von Lepton und WebsiteBaker. Oder konkret: Wer über Lepton schrieb, wurde verbal attackiert und letztlich teilweise sogar aus dem Forum verbannt, so wie es bei Ralf Hertsch der Fall war. Und DAS ist leider ein Punkt, der WebsiteBaker in meiner Empfindung einiges an Sympathie gekostet hat. Denn zuvor empfand ich das Forum stets als sehr hilfsbereit und freundlich und es hat mich ehrlich entsetzt, die entfesselte Schlammschlacht zu verfolgen.

Nachdem ich dann mit WebsiteBaker 2.8.2 auch noch ganz neuen und kuriosen Problemchen gegenüberstand (manuell einzuspielende Fixes, Probleme bei der Installation und irritierend Meldungen über angebliche Sicherheitsverletzungen beim Speichern von Seiten) und Lepton zeitgleich als stabiles Release verfügbar war, wollte ich das neue System auf jeden Fall ausprobieren.

Langsam bin ich jetzt dabei, auf Lepton umzusteigen – auch wenn ich noch viele WebsiteBaker-Seiten betreue. Ich bin allerdings noch nicht imstande, ein objektives Urteil abzugeben. Was ich bisher gesehen habe, gefällt mir sehr gut – die Handhabung (und auch die Optik in Bezug auf die Anordnung von Bedienelementen) entspricht der von WebsiteBaker 2.8.1 – und das ist auch gut so. Schliesslich ist ja genau diese Art der Bedienung und der Umgang mit Seiten (wie ich oben beschrieben habe), das Hauptargument für WebsiteBaker – und somit nun auch für Lepton. Einiges ist etwas besser, einiges etwas anders aber nichts ungewohnt und man füllt sich sofort zu Hause. In der jetzigen Version ist, zumindest auf der Oberfläche, noch nicht viel Neues zu finden aber die Pläne dafür sind da und die Ziele hoch gesteckt, wie mir Ralf im Interview (Podcast – Folge 3.5: Elementarteilchen) erläuterte.

Hinweis: Der oben erwähnte Podcast steht derzeit nicht mehr zur Verfügung. Das Interview wird zu einem späteren Zeitpunkt ggf. an neuer Stelle veröffentlicht.

Da ich erst seit kurzen Lepton verwende, fachlich nicht in der Lage bin, die Codequalität beider Systeme zu beurteilen und bei der Arbeit an beiden System kaum größere Schwierigkeiten (bis auf WebsiteBaker 2.8.2 kurz nach dem Release, inzwischen aber offenbar gefixt) hatte, kann und möchte ich an dieser Stelle kein abschliessendes Fazit oder gar eine Empfehlung in die eine oder andere Richtung abgeben. Ich persönlich habe mich letztlich für Lepton entschieden, da ich das Projekt sehr interessant finde, ich einigen der Lepton-Kernentwicklern ein großes Vertrauen entgegen bringe und die Zukunftsaussichten sehr viel versprechend sind. Im Umkehrschluss bedeutet das aber keine generelle Ablehnung von WebsiteBaker, schließlich ist das der geistige Vater von Lepton und das System, das Content-Management sowohl für mich als auch meine Kunden verständlich gemacht hat. Beiden Projekten gebührt meine größte Achtung – schliesslich leistet hier jeweils ein überschaubarer Personenkreis tolle Arbeit in der Freizeit. Und dafür verdienen Sie Dank und Respekt.

Wer nun am Ende dieses Artikels völlig verwirrt ist und nicht weiß, ob er zukünftig Lepton oder WebsiteBaker verwenden soll: Probiert es einfach aus und entscheidet euch dann selbst. Für beide Systeme existieren portable Versionen für den USB-Stick, die jeweils einen vorkonfigurierten Webserver mitbringen und somit einen unkomplizierten Einstieg ermöglichen. Wer die Wahl hat, hat bekanntlich die Qual.

Weiterführend Informationen

Hinweis: Der oben erwähnte Podcast steht derzeit nicht mehr zur Verfügung. Das Interview wird zu einem späteren Zeitpunkt ggf. an neuer Stelle veröffentlicht.

10 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Eine Zusammenfassung des Problems, die im Großen und Ganzen immer noch aktuell ist. Allerdings wurde aber auch Lepton mittlerweile in den Sleep-Mode versetzt.

  2. @Wolf: Völlig richtig und sehr schade. Unterdessen scheint die Entwicklung von WebsiteBaker aber wieder Fahrt aufgenommen zu haben – auf deren Twitter-Account (https://twitter.com/websitebaker) werden die Änderungen innerhalb des SVN gepostet und das sind nicht wenige. Gerade vor wenigen Stunden wurde demzufolge wieder am Projekt geschraubt.

    Zwei der ehemaligen Lepton-Entwickler (Blackbird und CreativeCat) führen die usprüngliche Zielsetzung des Forks unter dem Namen „BlackCat CMS“ (vormals „Lepton2“) indessen weiter, siehe http://lepton2.org. Dabei wurden auch weitreichende grafische Anpassungen unternommen, die das System noch intuitiver bedienbar machen sollen. Der auf Github (https://github.com/webbird/LEPTON_2_BlackCat) verfügbare Zwischenstand ist durchaus vielversprechend. Allerdings mangelt es einem Zwei-Personen-Team verständlicher Weise an Man-Power. Es bleibt also spannend.

  3. Wenn ich hier bereits genannt werde, dann möchte ich mich doch tatsächlich das erste Mal auch öffentlich zu Wort melden. Ich habe und werde mich weiterhin aus sämtlichen Anfeindungen heraushalten, bin aber sehr froh mit Blackbird und Ralf zusammenarbeiten zu können!

    Ihr könnt vieles zu BlackCat CMS auf Facebook verfolgen: https://www.facebook.com/BlackCatCMS
    Die offizielle Website wird in den kommenden Wochen folgen, denn das Template dazu wurde gerade fertiggestellt.

    Außerdem sind wir daran, eine stabile erste Version auf github zu komplettieren, nachdem vor allem Blackbird wirklich verdammt viel neu geschrieben und runderneuert hat. BlackCat CMS hat damit nur noch extrem wenig mit Websitebaker und/oder Lepton zu tun und das wird man nicht nur im Backend sehen.

    Wir waren und sind bemüht, die Einfachheit von Websitebaker, die mich ebenfalls vor vielen Jahren von WB überzeugt hat, mindestens zu übernehmen, lieber sogar zu optimieren.
    Das fängt beim Installer schon mit Kleinigkeiten an (automatisches Löschen des Install-Verzeichnisses, Log-Bericht zur Installation,…) geht über das Backendtheme, in dem vieles auf Ajax umgestellt wird und zB auch alle Seiten jederzeit von überall aus erreichbar sind.

    Ich glaube auch beispielsweise persönlich, dass insbesondere die Erstellung der Templates – trotz oder gerade wegen des Einsatzes von Dwoo – noch intuitiver wird, weil man im Grunde schon mit fast reinen HTML-Kenntnissen ein Template erstellen kann. Der Rest kann für Anfänger gut mit Copy&Paste erledigt werden.
    Das Einbinden von jQuery oder diversen Plugins wird damit noch viel einfacher. Jedes Modul/ Template kann verschiedene Skripte oder CSS-Dateien einbinden lassen, die in einer Datei angegeben werden. BlackCat CMS schaut, was alles benötigt wird und übernimmt das Sortieren, Filtern und Einbinden automatisch.
    Bei Modulen bin ich mir aktuell noch nicht ganz sicher wie es sich für PHP-Neulinge anfühlt. Allerdings existiert inzwischen mit den Helper-Klassen eine Logik, die, einmal verstanden, vieles einfacher und schneller zu handeln macht. Hier bleibe ich aber – wenn es dann mal ein HelloWorld gibt – gespannt, wie sich das Feedback darstellt.

    Der Umstieg von WB zu BlackCat CMS wird aber sicherlich ziemlich einfach sein und erfrischend sein;-)

  4. Hallo CreativeCat,

    vielen Dank für Deine Ausführungen zu BlackCat CMS! Ich persönlich bin sehr gespannt und freue mich auf das erste Release. Selbstverständlich schaue ich immer mal wieder auf den aktuellen Stand auf Github – sehr vielversprechend!

    Da Du die Modulentwicklung und die Helper-Klassen angesprochen hast: Ich hoffe das BlackCat CMS eine gute Dokumentation der Klassen und Funktionen liefert – etwas das ich bei WB bislang schmerzlich vermisse. Wenn man mit anderen System wie beispielsweise ModX und WordPress arbeitet, lernt man eine ausführliche Doku zu schätzen. Weniger try and error, mehr Ergebnis.

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