Selbstversuch: Billig-Akku für das MacBook Pro

Nachdem der Akku meines alten Macbook Pro im Oktober des letzten Jahres endgültig das Zeitliche gesegnet hatte, war es an der Zeit einen würdigen Ersatz zu finden. Wegen des nicht unerheblichen Preises von um die hundert Euro, hatte ich das eine ganze Weile vor mir her geschoben aber letztlich wurde der Leidensdruck – ein Notebook nur am Netzkabel betreiben zu können – doch zu groß. Also begab ich mich vor Kurzem auf die Suche nach einem möglichst billigen Ersatz. Dieser ist nun eingebaut und ich möchte an dieser Stelle mal meine Erfahrung mit den Lesern teilen.

Aber der Reihe nach: Mein Macbook Pro ist ein 2007er Model, aus einer Zeit, in der man die Akkus bei tragbaren Apple-Rechnern noch ohne Servicepersonal tauschen konnte. Der erste Akku hatte recht schnell seine Kapazität verloren, ließ sich aber noch bis Mitte 2010 zumindest fürs kurze Arbeiten unterwegs nutzen. Nachdem sich der nahende Akkutod durch wiederkehrendes, spontanes Abschalten des Rechners angekündigt hatte, ging dann eines Tages gar nix mehr. Der Akku nahm keine Ladung mehr an und der Lade-Status in der Menüleiste verlangte nach dem Austausch der Batterie.

Ende September 2010 habe ich mir dann über Amazon einen original Apple Akku als Ersatz geschoppt. Dieser hielt dann ungefähr ein halbes Jahr und versagte danach ebenfalls. Im Rahmen der Gewährleistung habe ich aber sehr schnell einen Ersatz für den Ersatz (danke an den schnellen Service und den netten Kontakt bei Teampoint aus Köln) bekommen und  dachte nun endlich Ruhe zu haben.

Falsch gedacht. Mitte Oktober 2011 macht auch dieser Akku schlapp – und das obwohl ich mich sehr genau an Apples Guidelines zur Akkupflege gehalten habe. Der Gewährleistungszeitraum war nun zwei oder drei Wochen vorbei, dennoch rief ich bei Apple an um nach einem Austausch auf Kulanz zu fragen. Da gerade an diesem Tag iCloud in Deutschland gestartet war und damit verbunden offenbar einige Probleme einhergingen, verbachte ich fast eine Stunde in der Warteschleife – um dann zu erfahren, dass ein Austausch auf Kulanz nicht möglich sein.

Meine Bereitschaft noch einmal knapp 100 Euro für einen neuen Akku auszugeben hielt sich verständlicherweise in Grenzen, weswegen ich die Entscheidung erneut bis letzte Woche aufschob.

Nachdem nun meine Erfahrungen mit Original-Akkus eher unerfreulich waren, wagte ich nun das Experiment, einen günstigen Nicht-Apple-Akku als Ersatz zu wählen. Die Erfahrungsberichte auf Amazon schürten natürlich meine Skepsis. Dort war von nicht passenden, nicht ladenden und schlecht verarbeiteten Akkus die Rede. Der große Preisvorteil gegenüber den Original-Akkus ließ mich dann aber doch zugreifen. Je nach Hersteller und Anbieter bekommt man Nachbau-Akkus bereits ab 25 Euro. Ich habe mich für einen ATC-Akku von DILL* entschieden, der mit 44 Euro zwar etwas teurer ist als andere Dritthersteller-Akkus aber immer noch weit von den 100 Euro eines Originals entfernt ist. Dieser Akku hat sogar die LED-Ladeanzeige am Boden, wie sie die originalen Stromkonserven von Apple besitzen.

* Ich weiß bis heute noch nicht, ob DILL oder ATC der Hersteller ist – oder keiner von beiden. Auf dem Akku steht jedenfalls DILL, in der Artikelbeschreibung ATC und Google hilft diesbezüglich auch nicht weiter.

Ich habe Donnerstagabend bestellt und obwohl 10 Tage Lieferzeit angegeben waren traf die Ware bereits am darauf folgenden Samstagmorgen bei mir ein.

Der erste Eindruck war sehr positiv: Die Verpackung war aus meiner sich hinreichend gut – Schaumstoff oben und unten, Akku in Anti-Statik-Tüte.

Die Lieferung erfolgt in einer angemessenen Verpackung.

Die Lieferung erfolgt in einer angemessenen Verpackung.

Der Akku selbst macht ebenso einen soliden Eindruck – wenngleich er deutlich leichter ist als das Original. Sicher wurde einiges an Aluminium durch Kunststoff ersetzt. Aber es zählen ja die inneren Werte.

Mit etwas Druck passt der Billig-Akku gut in das MacBook Pro und schließt plan mit dem Boden ab.

Mit etwas Druck passt der Billig-Akku gut in das MacBook Pro und schließt plan mit dem Boden ab.

Vergleich der Akkus (Rückseite): Links der Akku von DILL, rechts der von Apple

Vergleich der Akkus (Rückseite): Links der Akku von DILL, rechts der von Apple

Die Rückseite das Akkus ist schwarz statt silbern und die Ladestatus-LEDs sind grün statt weiß – ansonsten sieht der DILL-Akku seinem Vorbild sehr ähnlich. Eigentlich verwunderlich, dass es deswegen noch keine juristischen Streitereien gab … gerade wenn man sich das jüngste Gerangel zwischen Apple und Samsung anschaut. Aber das ist eine andere Geschichte.

Eine kurze Schrecksekunde hatte ich beim Einsetzen des Akkus in das MacBook Pro. Denn der Nachbau-Akku ist offenbar einen Tick (weniger als einen halben Millimeter würde ich sagen) größer als seine Vorlage und flutsche daher nicht so einfach in die Akku-Bucht am Boden des Rechners. Mit leichtem Druck auf die Ecken des Akkus ging es aber dann doch recht unkompliziert und die Batterie schnappte in den Verschlussmechanismus.

Mit etwas Druck passt der Billig-Akku gut in das MacBook Pro und schließt plan mit dem Boden ab.

Mit etwas Druck passt der Billig-Akku gut in das MacBook Pro und schließt plan mit dem Boden ab.

Einmal drin schliesst der Billig-Akku plan mit dem Boden des Rechners ab, ohne irgendeinen Überstand, ohne Kanten und Grate. Infolge dessen, dass der Akku recht straff im Gerät steckt, ist die Entnahme etwas fummelig – man bekommt es aber ohne Werkzeug mit etwas Geschick in den Fingerspitzen hin.

Die Ladestatus-LEDs des Billig-Akkus. Leuchten grün und tun was sie sollen.

Die Ladestatus-LEDs des Billig-Akkus. Leuchten grün und tun was sie sollen.

Der Akku war vorgeladen und zeigte nach dem Einsetzen direkt eine Restlaufzeit von 2 Stunden und 17 Minuten. Laut CoconutBattery lag die aktuelle Ladekapazität mit 5291 mAh sogar etwas über der im Chipset des Akkus angegeben Maximums von 5200 mAh.

Screenshot von CoconutBattery direkt nach dem ersten Einsetzen des Akkus

Screenshot von CoconutBattery direkt nach dem ersten Einsetzen des Akkus

Das Laden funktioniert einwandfrei und bis zum Rand mit Elektronen bestückt reicht eine Ladung für zirka 3 Stunden mobile Rechnernutzung (Stand heute, nach drei Ladezyklen). Auch diesen Artikel schreibe ich gerade entspannt und kabellos auf der Couch.

Mir ist natürlich klar, dass es nach drei Ladezyklen noch viel zu früh ist, eine allgemein gültige Aussage zu machen. Bislang bin ich jedoch sehr positiv überrascht und kann den Kauf des DILL-Akkus durchaus empfehlen. Ich werde diesen Artikel aktualisieren, wenn mir im weiteren Verlauf noch etwas unangenehm auffällt. Wenn der Billig-Akku nun mindestens ein Jahr hält, habe ich zirka 50 Euro gegenüber dem Original gespart und das kann sich sehen lassen. Man darf also gespannt sein.

Update

Damit sich jeder selbst ein Bild über den Kapazitätsverlauf des DILL-Akkus machen kann, veröffentliche ich in unregelmäßigen Abständen die Messwerte aus CoconutBattery.

 

8 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo!

    Bin nun auch auf diesen Beitrag gestoßen und durch dieses positiven Feedbacks deinerseits aufmerksam geworden.
    Ich bekomme demnächst 2 Macbook Pro 15″, eines von 2006 und das andere von 2007. Da ich mich selbst nicht so gut mit Laptops etc. auskenne bitte ich dich nun um Hilfe.
    Mir ist nun auch ein Original-Akku zu teuer und deshalb bin ich auf der Suche nach einem Ersatz-Akku, der dem Original sehr ähnlich kommt.
    Ich habe nun nach ATC Dill Akku gesucht und folgendes gefunden:
    https://www.amazon.de/Laptop-Batterie-MacBook-Serien-Teilnummer/dp/B004ZBCPP8/ref=sr_1_1?srs=2642577031&ie=UTF8&qid=1468501530&sr=8-1&keywords=dill+akku+macbook+pro+15%22
    Vom Gehäuse her siehts genauso aus wie bei deinem Bild oberhalb. Das Einzige, was mir auffällt, ist, dass es nicht schwarz ist.
    Würdest du mir vom Kauf des 20,99€ teuren Ersatzakkus abraten? Immerhin ist es wirklich günstig und es gibt noch keine Bewertungen für dieses Produkt auf Amazon.

    Ich hoffe auf baldige Rückmeldung!

    Liebe Grüße
    Laura

    • Hallo Laura,

      die Qualität der „Noname“-Akkus variiert teils sehr stark – als ich damals auf der Suche nach einem Akku war hatte ich einige gefunden, bei denen in den Bewertungen von einer schlechten Passform (nur mit roher Gewalt ins Macbook einsetzbar) oder Verformungen die Rede war. Von daher wäre ich etwas vorsichtig beim Kauf von Akkus für die es noch keinerlei Bewertungen gibt.
      Mein DILL-Akku damals hat gut gepasst und ich hatte keine Probleme damit – ob das bei dem von Dir genannten aber auch so ist… wer weiß.

      Ich würde vorschlagen, Du wartest bis die Rechner bei Dir eintreffen und schaust Dir mal die Apple-Teilenummer des Originals an (meist irgendwas mit A oder M am Anfang) und suchst dann gezielt bei Amazon nach dieser Nummer. Ich bin mir sicher da wirst Du auch Akkus finden, für die bereits Bewertungen vorliegen und wo Du nicht die „Katze im Sack“ kaufst.

      Hätte ich noch ein Macbook mit austauschbarem Akku, so würde ich sicher wieder die günstigen Noname-Akkus kaufen. Die halten zwar meiner Erfahrung nach nicht so lange wie das Original, kosten dafür aber deutlich weniger.

      Beste Grüße
      André

  2. Ich habe mich im letzten Jahr sehr intensiv mit LiPo Akkus beschäftigt (Ich entwickele Batteriemanagementsysteme für Elektrofahrzeuge in der Formula Student) und bin zu dem Schluss gekommen, dass Apple auf seiner Homepage seine Kunden veralbert.
    Die Pflegehinweise stimmen definitiv NICHT:

    Lithium-Polymer Akkus, wie in allen gängigen Laptops eingesetzt brauchen keine regelmäßige Belastung und erst recht kein Tiefentladen, wie beim Kalibrieren nötig.
    Im Gegenteil fühlen sich diese Art Akkus am wohlsten, wenn sie möglichst dauerhaft um 50% gehalten werden. Je weiter der Ladezustand davon abweicht, desto mehr geht es auf die Lebensdauer. Dabei ist es schädlicher, zu entladen, als aufzuladen.
    Das bedeutet: Ladet den Akku möglichst schon bei 30-40% wieder auf, im Optimalfall nur bis 70-80%. Und nur, wenn ihr absehbar eine lange Laufzeit benötigt, ladet ihr den Akku voll. Es schadet aber auch nicht so viel, ihn längere Zeit voll zu haben, jedenfalls deutlich weniger, wie den Akku bis auf 0% zu entladen. Das bitte unbedingt vermeiden!
    Mir ist das jetzt ein mal ausversehen passiert und mein Akku hat direkt 2% Kapazität verloren.

    Ich wünsche euch viel Erfolg und noch eine lange Akkulebensdauer!

    • Hallo Valentin,

      vielen Dank für Deine Tipps – sehr interessant! Persönlich hatte ich immer Scheu davor, den Akku bereits bei 30-40 % zu laden – habe immer erst den Hinweis des Betriebssystems abgewartet.

  3. Hey, habe mir denselben Akku für mein Late 2006er MacBook Pro geholt.
    Am Anfang lief alles ganz gut, man konnte ca. 2-3 Stunden gut dran arbeiten.
    Nach nun einem halben Jahr ist man froh wenn der Akku noch eine Stunde hält, die Akkukapazität liegt nach nur 70 Ladezyklen bei etwa 60%!
    Noch funktioniert er zwar, mein letzter Akku ist nämlich total ausgefallen, da ging das Book nicht mal mehr an wenn der Akku drin steckte, aber toll ist das nicht.
    Werde mir dann wohl demnächst wieder einen neuen holen müssen, rate da eher zu dem einen bekannten Hersteller von Apple Akkus, der leider aber auch über 100€ für so ein Teil will…

    • Hallo Björn, vielen Dank für Deine Nachricht! Bei mir hat sich das Thema Akku durch den endgültigen Defekt des MBP ja nun leider erledigt – aber ich bin natürlich weiterhin an den Erfahrungen Anderer interessiert. Auch wird es weiteren Lesern des Artikels sicher bei der Entscheidungsfindung helfen.

  4. Hallo. Habe gerade eben sehr interessiert deinen Beitrag gelesen und möchte dich bitte mir kurz zu schreiben ob sich der Griff zum BilligAkku sich lohnt bzw. was bei deinem Experiment rausgekommen ist. Vielen Dank im Voraus. Gruß Eduard

    • Hallo Eduard, ich konnte das Experiment leider nicht beenden, da das MacBookPro wenige Wochen nach dem Austausch des Akkus defekt war. Was aber nicht am Akku lang! Vielmehr hatte ich eines der MacBooks mit einem offenbar bekannten Fehler am Logic-Board, was in einer Frist von 4 Jahren auch kostenfrei getauscht wurden wäre. Ich wusste davon leider nichts und bin nun diesem Fehler zum Opfer gefallen, nach dem Ablauf der Austauschfrist. Aber soviel kann ich sagen: Ich war vom Billigakku sehr angenehm überrascht und würde mich wohl wieder für einen entscheiden. Die Kostenersparnis ist beachtlich und auch der billige Akku macht das, was man von einem Akku erwartet. Mein neuer Mac hat allerdings keinen austauschbaren Akku mehr – weswegen ich wohl nicht mehr vor dieser Entscheidung stehen werde ;-)

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