Apple WWDC 2008 – Keynote Überblick

Gestern (am 13.06.2008) ging die „Apple World Wide Developer Conference“ im Moscone-Center in San Francisco zu Ende. Fünf Tage lang hatte dort Apple die Softwareentwickler dieser Welt zu über 140 Seminaren rund um Mac OS X und das iPhone sowie zur Vorstellung neuer Entwicklungen geladen.
Traditionell eröffnete Steve Jobs, CEO von Apple, die WWDC mit einer seiner legendär gewordenen Keynotes (von Apple-Jüngern respektvoll „Stevenotes“ genannt). Bereits im Vorfeld rankten sich zahlreiche Gerüchte um die möglichen Inhalte dieser Keynote – von denen Jobs einige bestätigte.

Obwohl ich nicht persönlich dabei war, habe ich das Geschehen in Übersee dennoch mit großem Interesse in den Medien verfolgt und möchte nun die Gelegenheit nutzen, allen anderen Daheimgebliebenen einen kurzen Überblick über die WWDC-Keynote-Neuigkeiten zu geben.

iPhone 2.0

Was wie der Nachfolger des legendären iPhone klingt, ist es aber nicht. iPhone 2.0 ist die neue Software-Plattform für das iPhone welche vor allem die Integration von „Third-Party-Software“ auf dem iPhone gestattet. Entwicklern in Nicht-Apple-Unternehmen wird hierzu das leistungsfähige SDK für iPhone 2.0 zur Verfügung gestellt, was ein schnelles, einfaches und effizientes Entwickeln neuer Software gestattet. Die bereitgestellten Tools „XCode“ (die Programmierumgebung), „Interface Builder“ (zum Erstellen der grafischen Oberfläche) und „iPhone Simulator“ (zum Emulieren eines iPhones auf dem Mac) sollen dabei sehr leistungsstark und einfach in der Handhabung sein. Das kann ich mangels nötiger Kenntnisse leider nicht beurteilen – die in der SDK-Demo von Scott Forstall (Vice President Platform Experience) vorgestellte Beispielanwendung war aber in der Tat sehr schnell entwickelt: Nötige APIs ins „XCode“-Fenster ziehen, „XCode“-Code mit Elementen im „Interface-Builder“ verbinden, im „Phone Simulator“ testen – fertig. So einfach wird es mit Sicherheit nicht immer sein, aber immerhin…

Einige Drittanbieter zeigten während der WWDC-Keynote bereits beeindruckende Anwendungen basierend auf dem SDK, welche im bald eröffnenden App-Store zu haben sein werden. Darunter Geschicklichkeits- und Rennspiele welche nur mit der Bewegung des iPhones gesteuert werden, virtuelle Musikinstrumente und Lernsoftware aus dem Bereich Medizin. Auch ebay wartet mit einer (kostenlosen) Anwendungen auf iPhone 2.0-User. Die Software ermöglich über ein eigenes Interface, Auktionen zu suchen, zu verfolgen und auf diese zu bieten.

iPhone 2.0 stellt zudem neue Enterprise-Funktionen bereit, welche unter anderem die Verbindung zu einem Microsoft Exchange-Server erlauben. Desweiteren gestattet eine, zusammen mit CISCO entwickelte, VPN-Software den Zugriff auf entfernte Netzwerke weltweit. Dadurch will Apple das iPhone auch für Unternehmen interessant machen. Als repräsentative Enterprise-Kunden zeigt Jobs in seiner Keynote unter anderem „Disney“ und die „US Army“. Auch wenn es schwerfällt sich vorzustellen wie ein bis unter die Zähne bewaffneter GI sein stylisches iPhone aus der Camouflage-Jacke zieht, sollten die neuen Enterprise-Features (allen voran push email, push contacts und push calender) eine interessante Neuerung für Unternehmen sein.

Für den Otto-Normale-Anwender dürften es die kleineren Funktionserweiterungen sein, die iPhone 2.0 interessant machen:

  • „Contact Search“ – Die Suche nach Kontakten im Adressbuch per Eingabe (haben andere Telefone seit Jahren – das iPhone hatte es bisher (!) nicht)
  • „iWork-Support“ – Volle Unterstützung für Dokumente aus der iWork-Suite, also Pages, Numbers und Keynote. Diese können nun problemlos auf dem iPhone angezeigt werden
  • „MS Office-Support“ – Volle Unterstützung für Dokumente aus der Standard-Office-Suite Microsofts, also Excel, Word und PowerPoint
  • Verbesserte Funktionen für Mail – Löschen oder Verschieben von Mails  sowie das Speichern von Dateianhängen ist nun einfacher, Fotos aus Mails können direkt der Photo-Library hinzugefügt werden.
  • „Scientific Calculator“ – wird das iPhone auf Querformat gedreht wird aus dem normalen Taschenrechner ein wissenschaftlicher Taschenrechner.
  • „Parental controls“ – Erlauben das zeitweise Abschalten einiger iPhone-Dienste wie etwa YouTube.
  • Wesentlich erweiterter Sprachumfang mit Schrifterkennung für chinesische Schriftzeichen

iPhone 2.0 wird iPhone-Nutzern kostenlos zur Verfügung gestellt, iPod-Touch-Nutzer werden mit 9,99 Euro zu Kasse gebeten.

iPhone 3G

Was wie der Nachfolger des legendären iPhone klingt, IST der Nachfolger des legendären iPhones.
Das 3G steht dabei für „Third Generation“ – also die dritte Generation in Sachen Mobilfunkstandards. Das iPhone 3G besitzt nun also das Merkmal, was die Benutzer des bisherigen iPhones (2G) leidlich vermisst haben: UMTS. Damit landen Webseiten mehr als doppelt so schnell im mobilen Webbrowser, eMail-Attachments werden schneller herunter geladen. Damit macht das surfen im weltweiten Netz erst richtig Spass.
Desweiteren hat Apple dem Neuen ein GPS-Modul spendiert, welches zusammen mit Google Maps die Positionsbestimmung des Besitzers ermöglicht. Klasse wenn man in einer fremden Stadt unterwegs ist. Laut Apples Website lassen sich auch komplette Routen planen „to wherever from wherever“ – damit dürfte das iPhone eine ernstzunehmende Konkurrenz zu TomTom & Co. darstellen.

Von vorn betrachtet sieht das iPhone 3G dem Vorgänger zum verwechseln ähnlich; auf der Rückseite jedoch wurde der Aluminium-Deckel durch eine Plastik-Abdeckung ersetzt. Grund dafür könnte die Antenne des GPS-Modules sein, deren Empfangsleistung durch einen Deckel aus Metall beeinträchtigt werden dürfte.

Zusammen mit der zuvor vorgestellten iPhone 2.0 Plattform bietet das iPhone 3G eine Reihe interessanter Neuerungen. Jedoch dürfte eine Neuerung für die meisten Interessenten die wichtigste sein: Das iPhone 3G kostet nur die Hälfte des „alten“ iPhones. Die 8-GB-Version gibt es bereits ab 199 Dollar statt bisher 399 Dollar. Die 16-GB-Version wird für 299 Dollar erhältlich sein und ist zudem mit einer weißen Version vertreten. Höchstwahrscheinlich werden die Dollar-Preise 1:1 in Euro übernommen. Leider wird es das begehrte Gerät  auch weiterhin nur zusammen mit einem Mobilfunkvertrag eines Apple-Vertragspartners geben. Hier in Deutschland also nur mit einem Tarif des magentafarbenen Providers. Ich persönlich finde diesen Umstand sehr bedauerlich.

Das iPhone 3G wird ab 11. Juli 2008 in 70 Ländern erhältlich sein.

Mac OS 10.6 – Snow Leopard

Jobs erwähnt Snow Leopard in der Keynote nur beiläufig – sicher ist es auch noch zu früh für Details. Zwar wurden auf der WWDC bereits DVDs mit einer Vorabversionen von Mac OS 10.6 verteilt, das Final-Release ist jedoch erst im Juni 2009 geplant. Snow Leopard wird keine großen neuen Features besitzen, sondern auf den Neuerungen von Leopard (10.5) aufbauen. Laut Apples Website liegt der Fokus bei Snow Leopard auf Performance und Qualität. Interessant dürfte vor allem die erweiterte Unterstützung von 64-bit-Plattformen und Multicore-Prozessoren sein – Näheres dazu wird sich in den nächsten Monaten zeigen.

Weiterführende Informationen

WWDC
iPhone Softwareupdate
iPhone DevCenter
iPhone
Snow Leopard

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